Philosophie · Ethik · Antinatalismus
Geburt – Ein Schaden. Eine philosophische Untersuchung der ältesten unbequemen Frage der Menschheit.
KapitelübersichtIst es gerechtfertigt, ein Wesen in Existenz zu bringen, das dieser Entscheidung nie zustimmen konnte?— Die zentrale Frage
Worum es geht
Dieses Buch untersucht eine These, die älter ist als das Christentum und die dennoch im öffentlichen Diskurs behandelt wird wie ein Symptom, wie ein Zeichen von Krankheit, Bitterkeit oder gescheitertem Leben.
Die Entscheidung zur Fortpflanzung ist die einzige Entscheidung, die vollständig auf Kosten eines anderen getroffen wird, ohne dass dieser andere jemals zustimmen oder widersprechen kann. Ein Wesen, das noch nicht existiert, kann nicht befragt werden.
Das ist das Fundament des Problems.
Die These
Es könnte sein, dass es für ein potenzielles Wesen besser ist, nicht geboren zu werden, als geboren zu werden, weil Nichtexistenz die vollständige Abwesenheit von Leid ist, während Existenz Leid strukturell enthält.
Diese Frage wird nicht gestellt, weil das kulturelle System, das Fortpflanzung umgibt, so dicht gewoben ist – aus Biologie, Psychologie, Religion, sozialer Norm und institutioneller Struktur – dass die Frage schlicht keinen Raum findet. Dieses Buch gibt ihr Raum.
Inhalt
Kapitel 01
Antinatales Denken von der Antike bis zur Schwelle der Moderne
Von Mesopotamien über Griechenland bis zur Hiob-Tradition: die menschliche Konstante des Zweifels am Geborensein.
Kapitel 02
Philosophischer Pessimismus als Schule
Schopenhauer, Hartmann, Bahnsen: das 19. Jahrhundert systematisiert das Leid als Wesenseigenschaft der Welt.
Kapitel 03
Antinatales Denken im 20. Jahrhundert
Zapffe, Cioran, Ligotti: das Bewusstsein selbst als das eigentliche Problem.
Kapitel 04
Analytische Philosophie und das Benatar-Argument
David Benatars formales Argument und seine akademische Rezeption.
Kapitel 05
Evolutionäre, psychologische und kulturelle Mechanismen
Die Motive hinter der Fortpflanzung: vom evolutionären Imperativ bis zur sozialen Norm.
Kapitel 06
Glück, Fortschritt, Sinn und Pflicht
Eine systematische Auseinandersetzung mit den wichtigsten Gegenargumenten.
Kapitel 07
Childfree als gelebte Philosophie
Wie der philosophische Antinatalismus in persönliche Lebensentscheidungen übergeht.
Kapitel 08
Was Antinatalismus nicht bedeutet
Nichtgeburt ist nicht Tod. Antinatalismus führt nicht zum Menschensterben. Antinatalismus ist kein Nihilismus.
Kapitel 09
Kulturelle Immunmechanismen
Pathologisierung, kognitive Abwehr und das Tabu: warum die Frage keinen Raum findet.